"No und ich" von Delphine de Vigan

Paris, Mai 2007. Die kleine Lou Bertignac (13 Jahre) ist ein außergewöhnliches Kind: Sie ist überdurchschnittlich gescheit, hat bereits zwei Klassen übersprungen und führt witzige Experimente an Sonntagen durch. Ein aufgeweckter Geist, doch Lou geht es mit sich selbst nicht so gut. Sie ist ziemlich klein, alles an ihr, so sagt sie, sei winzig. Sie hat keinen Draht zu ihren zwei Jahre älteren Mitschülern, geht nicht auf Partys, auch wenn sie eingeladen wird und beobachtet Menschenansammlungen, um zu verstehen, wie das Untereinander funktioniert.

Lou hätte eigentlich eine kleine Schwester haben sollen, doch starb diese plötzlich im Kinderbett, worauf ihre Mutter stark depressiv und apartisch wurde. Ihr Vater tut alles mögliche, um ihre Familie zusammen zu halten. Aber Lou weiß genau, dass ihre Mama kaputt ist und befürchtet, dass sie sie nicht mehr so liebt wie vorher.

Als Lou ein Referat über Obdachlose halten soll, trifft sie in der Metro auf die achtzehnjährige No. Sie wurde von ihrer Mutter verstoßen, besuchte einige Internate und floh, als ihre große Liebe nach Irland auswanderte. Jetzt ist sie ohne festen Wohnsitz. Lou nimmt allen Mut zusammen und fragt No, ob sie sie für das Referat interviewen darf. Die Mädchen treffen sich von da an regelmäßig. Auch nach dem Referat.

"Wir sind doch zusammen Lou, oder?" fragt No oft. Ihr ist die Freundschaft wichtig, auch wenn es ihr mal schlecht geht. Auch wenn sie trotz der gefundenen Arbeit eine Flasche Wodka leert. Auch wenn sie die Tabletten geklaut hat. Lou glaubt an sie, dass sie zusammen einmal nach Irland zu No's alter Liebe fahren. Einfach nur raus aus dem Dreck, aber erst wenn ich genug verdient hab, sagt No.

Bei No's Rettung hilft Lucas, Lou's Mitschüler, der sich als einziger für Lou einsetzt und auch gegenüber No einen großen Beschützer mimt. Und von dem Lou träumt, dass er die Arme um sie legt. Die drei sind unzertrennlich. Verbringen ihre Abende in Lucas Wohnung und fühlen sich, als könnte ihnen niemand was.

Obdachlosigkeit ist ein großes Thema in diesem Buch, dass wir dazu in der Lage sind Untersee-Hotels zu bauen und künstliche Inseln in Palmenform, Lampen, die von ganz allein angehen, wenn man nach Hause kommt und gleichzeitig Leute auf der Strasse verhungern zu lassen.

Die Geschichte erzählt von großer Freundschaft in wenigen Worten, in einer ganz ruhigen Art ohne viel Aktion. Mir hat es aber schon gefehlt, gerade zu Anfang, wie No ist und was sie sagt. Die Gespräche vor dem Referat finden nämlich wörtlich im Buch nicht statt. Lou fasst alles zusammen und beschreibt mehr die Mimik und Gestiken No's. Das hat es mir schwer gemacht den Grund zu begreifen, warum die beiden Mädchen sich plötzlich so mögen. Ich hätte gerne noch etwas Input bekommen. 

Im Ganzen hat mir das Buch aber gut gefallen! Ich finde, man merkt es, wenn man etwas Französisches ließt. Die Sprache ist sehr schön (auch in unserer, haha) und diese winzige Hoffnung, dass Lucas vielleicht doch auch in Lou verliebt ist, ist eine ganz süße  Nebenhandlung. Die Dinge entwickeln sich, es passiert eigentlich immer was, auch wenn sich nichts Großes ereignet. Es ist einfach alles so voller Hoffnung. Ich habe selten etwas gelesen, was so traurig und unfair beginnt und sich dann so wendet. Und ohne großen Knall! Ja, das ist es einfach: ein Stück vom wahren Leben und Punkt.

 

 

Erschienen: bei Droemer, Februar 2009

Seitenumfang: 251 Seiten

Preis: 16,95 Euro (Gb)

ISBN: 9783426198315

 

 


 

14.1.08 20:08

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