"Die Straße" von Cormac McCarthy

Für gewöhnlich habe ich festgestellt, dass Weltuntergangsstories mit einer Katastrophe beginnen, die die Menschheit in Angst um ihre Existens entsetzt. Der Fortbestand menschlichen oder vielleicht auch allen Lebens sieht gefährdet aus und wird nur aufgrund actionreicher Abenteuer tapferer Wissenschaftler und Rechtskämpfer mit knapper Not verhindert. Die Grundlage ist das kleine Prickeln Angst um das Morgen und natürlich auch Unterhaltungssucht.

McCarthy schuf dem gegenüber einen Roman über die Welt, die nicht augenblicklich in Flammen aufgegangen ist, sondern schon seit Jahren in ihren eigenen Trümmern versinkt. Was das Ende der Ziviliation herbeigeführt hat bleibt dem Leser verborgen, ähnlich wie in Marlen Haushofers Roman "Die Wand".  Ein grauer Himmel zieht sich über die letzten Überreste und erstickt alles Leben unter sich: Kein Sonnenlicht, andauernder Regen, angereichert mit Asche, die sich wie schmutziger Schnee über das Land legt.

Inmitten dieser neuen Welt wandert ein Vater mit seinem kleinen Sohn die lange Straße entlang, von der sie glauben, dass sie dahin führt, wo sie Hoffnung finden: das Meer. Sie sind zwei der wenigen Überlebenden in Amerika, ernähren sich von Konservennahrung, doch der Vorrat aller Lebensmittel ist schon lange erschöpft. Seit Jahren wandelt kein Tier mehr auf Erden, dass es sich zu jagen lohne. Kannibalen ziehen in dunklen Gruppen trommelnd durch das Land, weshalb die beiden zum Schutz eine Pistole besitzen. Ein hochgeschätzes Gut. Mit nur noch zwei Kugeln.

Die Atmosphäre der Geschichte ist düster, traurig und still. Durch das Weglassen aller Anführungszeichen bei der wörtlichen Rede wird auch das letzte Gefühl von Lebendigkeit aus dem Roman gesaugt. Die Welt ist tot. So ist es eben.

Die einzige Wärme scheint von der ungebrochenen Liebe zwischen Vater und Sohn auszugehen. Und dieser Lichtblick, der naive Hoffnung auf ein gutes Ende in die Köpfe gebrannt hat, lässt den Leser atemstockend die Wanderung zwischen Häusertrümmern, Leichendepots und abgefackelten Wäldern verfolgen, als würde er es wirklich glauben. 

Ein zutiefst bewegendes Buch. 

 

Erschienen bei: Rowohlt Taschenbuch Verlag, Juni 2008

Seitenumfang:  253 Seiten

Preis 8,95 Euro

ISBN: 9783499246005

 

Tip: Cormac McCarthy ist auch der Autor von "No Country For Old Men"

 

 

 

 

1 Kommentar 10.11.08 18:25, kommentieren

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Erster Eintrag: Hallo!

Ein großes "Hallo" an alle Mitlesenden! In Kürze befindet sich an dieser Stelle ein erster Buchtip: "Die Strasse" von Cormac McCarthy.

 

1 Kommentar 5.11.08 21:48, kommentieren