"Apples" von Richard Milwart

Eve ist ein Partymädchen. Sie zieht unbekümmert durch die Pubs ihrer kleinen hässlichen englischen Stadt, nimmt Ecstasy ein, hat darauf Sex mit ihr eher nicht näher bekannten Jungs von der Schule in ihren Autos und geizt nicht mit Reizen. In ihrem Freundeskreis herrschen die selben Macht- und Eifersuchtsspiele wie in jeder Soap. Trotz allem beschreibt sie die Mitglieder ihrer Clique als unter einem Glücksstern Geborene. Sie können immer über alles (und jeden) lachen. Eine fast unheimliche Unbekümmertheit.

Adam ist ein richtiger Nerd. Eigentlich verbringt er die meiste Zeit nur daheim und hört sich je nach Stimmung Beatles-Songs an. Sein Vater ist ein zurückgebliebener Tyrann, der Adam wissen lässt, dass er nicht willkommen ist. Seine Mutter eine hilflose Kettenraucherin, die sich nicht durchsetzen kann. Adam hätte es schlechter nicht treffen können. Und er hat einen Freund. Der ihn ständig beleidigt. Und Adam mag ihn eigentlich nicht mal besonders. Nein, er hat es nicht gut getroffen. 

Beide gehen auf die selbe Schule und Adam weiß natürlich wer Eve ist. Das wunderschöne Mädchen mit den blonden Haaren und den Schmetterlingsaugen. Und Eve weiß natürlich nicht wer Adam ist.

Adam träumt von ihr, aber er sieht auch, mit was für Leuten Eve sich umgibt. So versucht er langsam an sie heranzukommen und fängt selbst an in den Nächten loszuziehen. Eve und ihre Freundinnen finden Gefallen an diesem netten Burschen. Und ehe er es bemerkt, hängt die exotische Abi mit ihm rum. Doch sie ist eben nicht die, die er will.

Was hinter der schönen Eve steht und die Beteiligten um sie nicht wissen, ist dass Eves Mutter Lungenkrebs hat. Und die schlechten Nachrichten halten nicht ein: Eine von Eves Freundinnen wird ungewollt Schwanger, mehrere Vergewaltigungen, Jungs mit fiesen Tricks und viel Poppers (= flüssige, kurzfristig haltene Drogen in Dosen).

 

Erzählt wird die Story abwechselnd von verschiedenen Personen. Überwiegend von Adam und Eve. Ihre Gedankengänge sind nachvollziehbar geschildert und bilden sehr glaubwürdige Charaktere. Es wird klar: Adam fehlt einfach der Mumm und lässt sich verprügeln und rumschubsen. Er macht sich mehr Gedanken um alles, als Taten folgen zu lassen. Ein stiller Poet. Eve ist keine oberflächliche Partymaus, die alles mitnimmt, was geht. Wenn man ihre Art der Sicht durchgeht, erkennt man die Logik in ihrem Handeln. Ihre Mutter wird bald sterben, deswegen versucht sie möglichts wenig an sich heranzulassen. Sie liebt ihre Mutter und wenn sie mit ihrer Familie zusammen ist, wird es wirklich rührend. Sie kann nur einfach nicht die Männer richtig einschätzen. Sie glaubt von einigen, dass sie auch einer Art Beziehung interessiert sind. Doch wirklich jeder Typ kommt schlecht weg. Nur Adam nicht. 

 

Sehr heftiges Buch! Von ficken, koksen, vergewaltigen bis harten Drogen ist alles drin. Total schonungslos und echt. Lesen und ab und an mal atmen. Danach sich am eigenen Leben erfreuen.

 

 

Erschienen bei: Blumenbar (Mai 2008)

Seitenumfang: 253 Seiten

Preis: 17,90 Euro (Gebunden, ist aber auch schon als TB erschienen)

ISBN: 9783936738353

 

 


 

 

 

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"Die Brautprinzessin" von William Goldman

Ein kranker Junge bekam von seinem fast analphabetischem Vater ein Buch vorgelesen.

Butterblume, ein schönes naives Bauernmädchen, mit Hang zu schlechten Manieren, behandelt ihren Stalljungen Wesley schlecht. Ihre Eltern zanken ständig und die hässlichen Dorfburschen laufen ihr hinterher. Eines Tages taucht jedoch ein geheimnisvoller schwarzer Graf auf, der sie gegenüber dem Prinzen Humperding erwähnt. Der interessiert sich nämlich nur fürs Jagen und Töten. In seinem Todeszoo tobt er sich aus und denkt gar nicht daran zu heiraten. Das Volk zeigt wenig Begeisterung ihm gegenüber. Aber eine schöne Frau, die würde die Massen für sich gewinnen.

Butterblume, töricht, wie sie ist, bemerkt erst viel zu spät, wie viel sie für den Stalljungen empfindet. Und gerade als sie sich ihre Liebe zugestehen, will Wesley nach Amerika um zu arbeiten und genug Geld zu verdienen, damit er ihr alles bieten kann, was sie verdient.

Doch dann erhält Butterblume die traurige Nachricht: Das Schiff auf dem Wesley war, wurde vom Gräulpiraten Roberts gekapert, dessen Mannschaft nie jemanden am Leben lässt. Butterblume ist am Boden zerstört. Ihre Trauer unermesslich groß. Und sie schwört: Sie wird nie wieder lieben. 

Prinz Humperding hegt Interesse für das arme Bauermädchen. Als er ihr droht, willigt sie ein und wird seine Frau. Aber Liebe wird nicht im Spiel sein. Eines Tages auf einen einsamen Ausritt trifft sie auf drei komische Gestalten, die sie überfallen und verschleppen. Sie reden offen darüber die zu töten. Es ist ein riesiger Türke, so stark wie kein anderer. Ein dünner Spanier mit einem Degen, den er meisterhaft beherrscht. Und ein kleiner Sizilianer, verschlagen und brilliant.

Und plötzlich taucht ein unbekannter schwarzer maskierter Mann auf. Er ist sehr an der Beute der drei Gauner interessiert. Und auch er beherrscht den Degen, als hätte er nie etwas anderes gelernt. Ausserdem holt er auf. Immer mehr.

 

Eine wahnsinnige Geschichte! Wie ein Märchen, ein Abenteuer, eine Jagt. Die Klippen des Wahnsinns, der Feuersumpf, die Hand mit fünf Fingern, die tiefen Narben im Gesicht des Spaniers und auf seinem Herzen, eine Maschine, die das Leben absaugt und der Todeszoo, der sich über mehrere Stockwerke ins Erdreich erstreckt.

Ganz neben der Spannung sind die Charaktere einfach umwerfend! Butterblume, so unglaublich dümmlich und einfältig, aber dafür voller Liebe. Wesley, der gut aussehende Stalljunge, der "Ich liebe dich" haucht, während Butterblume nicht hinhört. Das Verbrechertrio mit ihren tiefgründigen Vergangenheiten. Alles tief verwoben in diese Geschichte. Sie ist nie langweilig, absolut nie! 

Absolut grandios gelesen von Jochen Malmsheimer und Bela B. 

Witzig und spannend. Wahre Liebe und echter Hass. Ein Märchen für Große mit dem Hang zum Träumen und viel Humor.

 

Verlag: Roff Music (November 2002)

ISBN: 9783936186079 

Preis: ca. 39.90 Euro (CDs unterliegen nicht der Preisbindung!)

9 CDs

 

 

 

 

 

 

1 Kommentar 21.1.09 21:39, kommentieren

"No und ich" von Delphine de Vigan

Paris, Mai 2007. Die kleine Lou Bertignac (13 Jahre) ist ein außergewöhnliches Kind: Sie ist überdurchschnittlich gescheit, hat bereits zwei Klassen übersprungen und führt witzige Experimente an Sonntagen durch. Ein aufgeweckter Geist, doch Lou geht es mit sich selbst nicht so gut. Sie ist ziemlich klein, alles an ihr, so sagt sie, sei winzig. Sie hat keinen Draht zu ihren zwei Jahre älteren Mitschülern, geht nicht auf Partys, auch wenn sie eingeladen wird und beobachtet Menschenansammlungen, um zu verstehen, wie das Untereinander funktioniert.

Lou hätte eigentlich eine kleine Schwester haben sollen, doch starb diese plötzlich im Kinderbett, worauf ihre Mutter stark depressiv und apartisch wurde. Ihr Vater tut alles mögliche, um ihre Familie zusammen zu halten. Aber Lou weiß genau, dass ihre Mama kaputt ist und befürchtet, dass sie sie nicht mehr so liebt wie vorher.

Als Lou ein Referat über Obdachlose halten soll, trifft sie in der Metro auf die achtzehnjährige No. Sie wurde von ihrer Mutter verstoßen, besuchte einige Internate und floh, als ihre große Liebe nach Irland auswanderte. Jetzt ist sie ohne festen Wohnsitz. Lou nimmt allen Mut zusammen und fragt No, ob sie sie für das Referat interviewen darf. Die Mädchen treffen sich von da an regelmäßig. Auch nach dem Referat.

"Wir sind doch zusammen Lou, oder?" fragt No oft. Ihr ist die Freundschaft wichtig, auch wenn es ihr mal schlecht geht. Auch wenn sie trotz der gefundenen Arbeit eine Flasche Wodka leert. Auch wenn sie die Tabletten geklaut hat. Lou glaubt an sie, dass sie zusammen einmal nach Irland zu No's alter Liebe fahren. Einfach nur raus aus dem Dreck, aber erst wenn ich genug verdient hab, sagt No.

Bei No's Rettung hilft Lucas, Lou's Mitschüler, der sich als einziger für Lou einsetzt und auch gegenüber No einen großen Beschützer mimt. Und von dem Lou träumt, dass er die Arme um sie legt. Die drei sind unzertrennlich. Verbringen ihre Abende in Lucas Wohnung und fühlen sich, als könnte ihnen niemand was.

Obdachlosigkeit ist ein großes Thema in diesem Buch, dass wir dazu in der Lage sind Untersee-Hotels zu bauen und künstliche Inseln in Palmenform, Lampen, die von ganz allein angehen, wenn man nach Hause kommt und gleichzeitig Leute auf der Strasse verhungern zu lassen.

Die Geschichte erzählt von großer Freundschaft in wenigen Worten, in einer ganz ruhigen Art ohne viel Aktion. Mir hat es aber schon gefehlt, gerade zu Anfang, wie No ist und was sie sagt. Die Gespräche vor dem Referat finden nämlich wörtlich im Buch nicht statt. Lou fasst alles zusammen und beschreibt mehr die Mimik und Gestiken No's. Das hat es mir schwer gemacht den Grund zu begreifen, warum die beiden Mädchen sich plötzlich so mögen. Ich hätte gerne noch etwas Input bekommen. 

Im Ganzen hat mir das Buch aber gut gefallen! Ich finde, man merkt es, wenn man etwas Französisches ließt. Die Sprache ist sehr schön (auch in unserer, haha) und diese winzige Hoffnung, dass Lucas vielleicht doch auch in Lou verliebt ist, ist eine ganz süße  Nebenhandlung. Die Dinge entwickeln sich, es passiert eigentlich immer was, auch wenn sich nichts Großes ereignet. Es ist einfach alles so voller Hoffnung. Ich habe selten etwas gelesen, was so traurig und unfair beginnt und sich dann so wendet. Und ohne großen Knall! Ja, das ist es einfach: ein Stück vom wahren Leben und Punkt.

 

 

Erschienen: bei Droemer, Februar 2009

Seitenumfang: 251 Seiten

Preis: 16,95 Euro (Gb)

ISBN: 9783426198315

 

 


 

3 Kommentare 14.1.08 20:08, kommentieren

Kleine Zwischenkritik

Das ziemlich erschöpfende Weihnachtsgeschäft hält mich gerade von den Energiereserven ab eine Rezension zu schreiben. Sry, bald werde ich mich um das nächste Seitenbündel kümmern.

Kleiner Tip noch für alle, die genug von kitschiger Weihnachtsliteratur haben:

 

"Erika" von Elke Heidenreich (5 Euro als Taschenbuch)

Eine Geschichte über eine Frau, die sich selbst nicht mehr fühlt und dann plötzlich kurz vor Weihnachten von einem ehemaligen Geliebten in weiter Ferne eingeladen wird.  Sie kauft als völlig sinnloses Geschenk für ihn ein großes rosa Plüschschwein. Sie musste es einfach nehmen, nennt es insgeheim Erika und tritt mit dem flauschen Tier die Reise an. Plötzlich scheint sich alles um sie herum zu verändern, alle scheinen viel freundlicher. Erikas Charme zieht jeden in den Bann. Und dann sind sie fast am Ziel.

Wie ein großes rosa Schwein alles verändern kann. 

Total großartig! Für Fans von diesen tollen Reisegeschichten, auf denen komische Dinge passieren und zeigen, dass einem so viel wiederfahren kann, wenn man nur aus dem Haus kommt. Und sein Herz nicht verschließt vor Erfahrungen und Menschen, die so viel zu geben haben.

 

 


 

1 Kommentar 19.12.08 18:57, kommentieren

"Froschkönig" von Adam Davies

Der Froschkönig wird sich in einen schönen Prinzen verwandeln, wenn ihm eine nette Prinzessin einen Kuss gibt. Eigentlich, ne. Aber in dieser Geschichte ist das nicht das Ende des Märchens. Dieser Froschkönig hat einige schleimige Eigenschaften. Und er wird sie nie ändern. Sein Name ist Harry Driscoll und er ist ein 37-jähriger selbsternannter brillianter Elite-Uni-Absolvent (das "brilliant" entspringt seinem Ego, der Abschluss den Tatsachen) und verschwendet seine Zeit als schlecht bezahlter Assistent des Verlages Prestige in Manhatten. Die meiste Zeit trinkt er zu viel über den Durst, spielt mit seinem einzigen Freund bei Prestige Jordie ein Wortspiel mit Fremdwörtern ("Das ist unser Spiel: Logomachie. Ein Wortgefecht [einer sagt ein Fremdwort, der andere muss es lösen]. Wir spielen um einen Dollar pro Wort, und der Sieger schreibt immer das Siegerwort und die entsprechende Definition auf den Dollarschein." ) und versucht am Leben zu bleiben (durch Beschaffung von Nahrung, Gin und Geld) und ebenso seinen Roman zu vervollständigen.

Er denkt, dass sein Leben gescheitert ist, obwohl er eine tolle Freundin hat, die ebenfalls bei Prestige arbeitet: die bezaubernde Evie. Sie stehen auf die selben schrägen Dinge (Horrorfilme mit mutierten Tieren) und lachen über den selben Mist (in die teuersten Boutiquen gehen, teuerste Sachen anprobieren und so tun, als wäre man reich, natürlich nichts kaufen). Aber Harry scheint Evie nicht so sehr zu lieben, wie sie ihn. Wegen einer schmerzhaften Erkrankung im Unterleib kann Evie keinen Sex mit Harry haben (sie suchen sich so ihre Alternativen...). Darum kann Harry nicht aufhören sich mit einer anderen Frau zu treffen. Und ausgerechnet eine vom Konkurrenz-Verlag. 

Harry fühlt seine Liebe zu Evie und er möchte aufhören ihr weh zu tun. Er hasst Klischees, egal welchen Auswuchses. Und jemanden sein Herz zu öffnen ist seiner Meinung nach eines der größten Klischees überhaupt. Aber was er nicht weiß ist, dass er selbst eines ist: sich selbst hassend, arrogant, seine familiären Verhältnisse zerrüttelt, melancholisch und versunken in Selbstmitleid versucht er sein beschißenes Leben mit Fusel und Frauen zu ertragen. 

Nachdem Evie Harrys kleine Ausflüge zu der Konkurrenz herausbekommen hat zieht sie einen Schlusstrich. Und Harry fällt tiefer und tiefer. Ist sie jetzt mit dem schönen, langweiligen Autor zusammen, den sie entdeckt hat? Das kann nicht sein, sie ist SEINE Evie. Und doch muss auch Harry langsam checken, that a change is gonna come.

Du als der Leser wisperst: "Man, verdammt, tu es, tu es man, sag es Evie!" weil es eben auch Dinge gibt die zeigen, dass Harry kein wiederwärtiger Kerl ist. Er ist smart und sein Humor ist sehr clever und zweideutig. Ich mag die bittere Sicht auf die Welt und die Traurigkeit zwischen den Zeilen. Harry geht langsam unter im Strudel der Ereignisse, scheint Fehler, Schläge und gefährliche Situationen zu "sammeln". Deswegen konnte ich ihn nicht hassen, selbst als er seine echt superlustige und tolle Freundin betrügt, weil er mir leidtat.

Das Buch lebt vor allen von den gehässigen Gedanken von Harry über die Menschen in seiner Umgebung. So ein Arsch, dachte ich. So ein verdammt mieses Arschloch hat so ein geniales Vokabular!

Adam Davies Humor und unglaublich scharfen Beschreibungen machen den Froschkönig zu einer lustigen, nachdenklichen und bissigen Liebesgeschichte. Ohne jeglische Klischees. Versprochen.

 

PS: Niemals vom Titel abschrecken lassen!

 

Erschienen bei: Diogenes, September 2007

Seitenumfang: 382 Seiten

Preis: 19,90 Euro (Taschenbuch)

ISBN: 9783257066012

 

Tip: Das Buch wird gerade verfilmt. Von Regisseur Darren Starr, der Typ, der den "Sex And The City"-Film gemacht hat. Hmpf, wir lassen uns überraschen...

 


 

 

1 Kommentar 21.11.08 17:09, kommentieren

"Superhero" von Anthony McCarten

Donalds Leben trägt gerade erst 14 Jahre, aber er weiß schon was es heißt, sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass es bald vorbei sein wird. Die Diagnose: Krebs. Noch nichts erlebt, kahlköpfig und mager schlurft Donnie durch den Alltag. Seine schwarze Mütze bis tief in die Stirn gezogen, seine Vans in Größe 46, den iPOD auf volle Lautstärke aufgedreht: eine traurige, wütende Karikatur. 

Immer mit einem schwarzen Stift (Künstlerqualität) am Halfter malt Donnie sozusagen um sein Leben. Er ist ein talentierter Comiczeichner und hält die Abenteuer seines selbsterfundenen Heldens MIRACLEMAN in einem Buch fest. Aber MIRACLEMAN ist kein bunter Held, keiner mit unzerstörbarem Optimismus und Brilliantlächeln. Er ist ein düsterer Mann, der aufgrund eines chemischen Unfalls niemals sterben wird und Frauenleichen auf Friedhöfen ausgräbt um mit ihnen zu verkehren, weil ihn keine andere haben will. Er sehnt sich nach dem Tod, nach der Erlösung von den Schmerzen, die ihm sein Erzfeind GUMMIFINGER, ein verrückter Arzt mit Gummihandschuhen, zufügt. Und seine Liebe, das Mädchen RACHEL, scheint weit entfernt und auch immer mal wieder aufs neue bedacht seine Unsterblichkeit zu "testen".

Donnies geballte Wut auf das Leben. Ein Parallelleben in Comicform. 

Seine Eltern, beide überzeugt davon, dass Donnies Wille gegen die Krankheit anzukämpfen gebrochen ist, schicken ihn zu Adrian, einem Psychater für eventuelle Todeskandidaten. Er selbst ein Wrack, von seiner schönen Frau im Stich gelassen, besucht Zeichenkurse und findet auch bald Donnies Liebe zur Kunst. Und zu den Frauen. Denn das ist der wunde Punkt, der rote Knopf, der Donnie so trübselig macht. Wie geht die Liebe? In Donnies Fantasie sind Mädchen Teufelinnen, sobald er sie scharf findet. Ein Todesbote, keine Erlösung. Eine Sache, die er unendlich begehrt und gleichzeitig hasst.

Dann lernt er Shelly kennen: ein so sauberes schönes Mädchen, dass Donnie in ihr die sieht, die er immer haben wollte. Er trifft sich mit ihr bei BurgerKing und denkt, dass es ein Wink mit dem Zaunpfahl ist, dass sie zur Toilette geht und folgt ihr. Einer seiner besten Freunde habe es angeblich einer kleinen Schlampe in den gleichen Räumen besorgt. Wollen Mädchen das alle? Doch Shelly fängt an hysterisch zu werden, als Donnie ihr zu nahe kommt. Aus der Traum vom schmutzigen Sex. Und von Shelly.

Donnies Krebs verschlimmert sich. Er liegt von nun an im Krankenhaus. Je näher man am Fenster liegen darf, desto besser stehen die Chancen bald nicht mehr unter den Lebenden zu sein. Noch zwei weitere Patienten zwischen ihm und dem Tod. Da kommt Adrian eine Idee. Er versucht Donnies Traumfrau zu finden. Zum Sex, um ihm zumindest diesen Wunsch zu erfüllen. Und findet sie. Eine fleischgewordene "Elektra", eine Hure, die Donnie etwas mehr als eine Nacht gibt, nur nicht das erwartete. Doch dann beschließt Donnie noch einmal etwas zu tun, wonach sich sein Herz so verzehrt. MIRACLEMAN verschwindet in die Nacht. Wo ist seine einzig wahre RACHEL? Die Zeit wird knapp.

 

Superhero ist mehr als ein Roman über einen Jungen, der an Krebs erkrankt ist. McCarten schildert authentisch die Sicht Donnies, eines Fasterwachsenen der sich um seine Zukunft betrogen fühlt. Wo es gerade losgehen sollte kommt ihm der Krebs in die Quere. Er macht sofort dicht und lässt keinen mehr an sich heran. Immer schwingt die Hoffnungslosigkeit in Donnies Sätzen mit. Trotzig und rebellisch. Aber auch so unendlich wahr.

Für wirklich jeden zu empfehlen, der stark genug für die starke Geschichte ist. Aber Achtung: Es wird ein Sprung in die eigene Pubertät zurück, dunkel, bunt, tragisch, lustig, es gibt Drogen von Eltern, illegale Downloads, einen nervigen älteren Bruder, Toastbrot im Nobelrestaurant und so viel schwarze Stiftfarbe, dass kein Weiß mehr übrigbleibt.

 

 

Erschienen bei: Diogenes, März 2007

Seitenumfang: 303 Seiten

Preis: 19,90 Euro

ISBN: 9783257861587 

 

 


 

 

 

 

 

 

1 Kommentar 16.11.08 11:33, kommentieren

Fehlstart

Naja, so lange ich mich noch durch die Bloganleitung kämpfe gibt es einige Schönheitsfehler. Wird bald behoben!

10.11.08 18:27, kommentieren